CBD und Alkohol

CBD und Alkohol: Vertragen sich die beiden?

CBD - vor allem in Öl - ist buchstäblich zurzeit in aller Munde. Verständlich, dass sich jetzt auch Fragen ergeben, die mit potenziellen Wechselwirkungen des Cannabidiols zu tun haben. Hast du dich auch schon einmal gefragt, ob und wie sich Alkohol und CBD miteinander vertragen?

Kannst du unbesorgt beide Substanzen gleichzeitig oder in kurzem Abstand zueinander anwenden? Verträgt sich CBD mit deinem Feierabend-Bier?

Wir haben dir hier die aktuellen Erkenntnisse zu diesem spannenden Thema zusammengetragen.

Wie wirken Cannabinoide, wie wirkt Alkohol?

Um die Auswirkung von Alkohol und Cannabinoiden im menschlichen Körper besser zu verstehen, schauen wir uns die Wirkung hinter den verschiedenen Substanzen an.

Wenn du beispielsweise an die rauscherzeugende Wirkung von THC (Tetrahydrocannabinol) denkst, dem Cannabinoid aus der Cannabispflanze "Cannabis indica", vermutest du vielleicht eine gewisse Ähnlichkeit zwischen der Wirkung von Alkohol und Cannabinoiden.

Denn auch Wein, Champagner oder Bier können einen rauschhaften Zustand erzeugen.

Zudem empfinden viele Menschen Alkoholkonsum als entspannend. Über eine ähnliche und noch weitaus intensivere Entspannung wird ebenso nach der Anwendung von Cannabinoiden berichtet.

Schauen wir uns im Folgenden an, in welchen Bereichen des Körpers die verschiedenen Substanzen ihre Wirkung erzeugen.

Das Endocannabinoid-System

Als Wissenschaftler begannen, sich näher mit der potentiellen Wirkung verschiedener Inhaltsstoffe der Cannabis-Pflanzen zu beschäftigen, erlebten sie eine große Überraschung.

Sie entdeckten das Endocannabinoid-System.

Dabei stellten sie fest, dass der menschliche Organismus selbst cannabinoid-ähnliche Substanzen produziert.

Diese arbeiten als Botenstoffe und verbinden sich dabei mit verschiedenen Rezeptoren: vor allem im Gehirn, aber auch an anderen Stellen des Körpers.

Über diese Rezeptoren nehmen sie auf verschiedene Funktionen sowie Empfindungen Einfluss. Hier ist beispielsweise unser Schmerzempfinden angesiedelt.

Vielleicht hast du Cannabidiol schon einmal beim Einschlafen ausprobiert. 

Schlaf wird ebenfalls über bestimmte Botenstoffe und auch Rezeptoren reguliert.

Wie die körpereigenen Botenstoffe können sich Cannabinoide aus der Cannabispflanze mit unterschiedlichen Rezeptoren verbinden und damit auf bestimmte körperliche Funktionen einwirken.

Diese besondere Fähigkeit, an bestimmte Rezeptoren anzudocken, haben sowohl CBD als auch Tetrahydrocannabinol (kurz "THC").

Jedoch kann THC bei regelmäßigem Konsum abhängig machen und erzeugt zusätzlich einen Rausch. Bei der Abhängigkeit durch THC handelt es sich um eine psychische Abhängigkeit, nicht um eine körperliche Abhängigkeit.

Wirkungen alkoholischer Getränke auf Botenstoffsysteme

Auch Alkohol entfaltet seine Wirkung in unserem Nervensystem. Er erzeugt dabei seine Effekte durch Einwirkung auf bestimmte Botenstoffe, die die Informationsübertragung in unserem Nervensystem steuern.

Die sogenannten Neurotransmitter.

Neurotransmitter und CBD

Anders als die Cannabinoide dockt Alkohol nicht an Rezeptoren an, sondern wirkt direkt auf ganze Transmittersysteme ein. Beispielsweise auf das System, in dem der bekannte Botenstoff Dopamin reguliert wird.

Ethanol - das ist eine genauere Bezeichnung für Alkohol - erzeugt diese Wirkung, indem die Substanz spezifische Proteine in der Nervenzellenmembran beeinflusst.

Sie verändert dabei sogar die gesamte Funktion von Rezeptoren und anderen Kanälen, die Informationen in den Nervenzellen weiterleiten.

Daraus entsteht der Rauschzustand, den wir wahrscheinlich alle kennen. Alkohol kann aber noch mehr. Er sorgt für eine intensivere Ausschüttung von Endorphinen. Diese speziellen Botenstoffe sorgen dafür, dass ein angenehmes Gefühl nach Alkoholkonsum entsteht.

Dadurch wird das Belohnungssystem im menschlichen Organismus aktiviert. Die entstehende Euphorie verstärkt wiederum die Ausschüttung von Dopamin. Aus diesen Wechselwirkungen erklärt sich, warum Alkohol abhängig macht.

Wer abhängig wird, strebt nach diesem angenehmen Gefühl und der Bestätigung für sein körpereigenes Belohnungssystem.

Bei Alkoholkonsum entsteht mit der Zeit nicht nur eine psychische Abhängigkeit, sondern auch eine körperliche. Der Organismus betrachtet dann Alkohol am Ende als körpereigenen Stoff und reagiert mit Entzugserscheinungen, wenn er nicht mehr zugeführt wird.

Verstärkte Rauschwirkungen durch Cannabinoide?

Manche Marihuana Konsumenten trinken alkoholische Getränke vor oder zu ihrem Joint. Dabei berichten sie von einer Verstärkung der entspannenden Wirkung - sowohl durch Alkohol als auch durch Cannabis.

Du weißt vermutlich, dass CBD weder rausch- noch suchterzeugend ist. Dieses Cannabinoid wird aus einer anderen Hanfpflanze gewonnen als THC - aus dem Nutzhanf "Cannabis sativa".

Die legalen Nutzhanfpflanzen enthalten weniger als 0,2 % Tetrahydrocannabinol.

Dennoch scheint der gleichzeitige Konsum von CBD und alkoholischen Getränken die alkoholischen Wirkungen zu verstärken. Das legen Erfahrungsberichte sowie Studien nahe.

Interessanterweise könne sich aber dabei der Alkoholspiegel im Blut verringern.

Wir schauen uns im nächsten Abschnitt die aktuelle Studienlage zu diesem Thema an.

Was Wissenschaftler dazu sagen

Bereits 1979 untersuchten Wissenschaftler in einer Studie, wie sich der gleichzeitige Konsum von CBD und alkoholischen Getränken auswirkt.

Überraschend war hier, dass der Blutalkoholspiegel signifikant geringer war als bei den Studienteilnehmern, die nur alkoholische Getränke konsumierten.

Eine weitere Studie ergab, dass CBD sich positiv

  • auf eine durch Alkoholkonsum gebildete Fettleber auswirken und
  • die Leber insgesamt bei Alkoholkonsum vor einer Schädigung schützen könnte.

Bei dieser Studie handelt es sich um eine Untersuchung an Mäusen, sodass wir daraus noch keine endgültigen Schlüsse für den Menschen ziehen können.

Dadurch ist hier weiterer Forschungsbedarf entstanden.

Möglichkeiten bei der Suchentwöhnung

Immer wieder wird der Einfluss von CBD auf Süchte allgemein diskutiert. Eine sehr aktuelle Studie aus 2019 zeigt, dass das Cannabinoid das Verlangen nach einer Droge dämpfen könne.

In dieser Studie ging es um die Abhängigkeit von Heroin.

Einen ähnlichen Effekt nehmen Wissenschaftler auch für CBD und Alkohol an. Eine mögliche Minderung von Suchterscheinungen konnte in einer Studien-Zusammenschau von 2019 untersucht werden.

Wissenschaftler und Experten sind beim Thema Suchtentwöhnung durch CBD aber noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis gekommen. Vielleicht bestehen Möglichkeiten, Cannabidiol bei der Suchtentwöhnung und Suchtvermeidung im Zusammenhang mit Alkoholsucht gezielt einzusetzen. Hierzu sind weitere Studien notwendig.

Immerhin gibt es bereits Hinweise darauf, dass es bestimmte Wechselwirkungen zwischen CBD und Alkohol gibt. Dabei wird vermutet, dass das Cannabinoid bei Alkoholkonsum einen eher schützenden Effekt hat.

Das ändert aber nichts daran, dass sich bestimmte Rauscherscheinungen bei Alkoholkonsum gleichzeitig mit CBD nach außen verstärken können.

Wie wirkt sich der gleichzeitige Konsum von CBD und Alkohol aus?

Dich interessiert beim Thema CBD und Alkohol wahrscheinlich die folgende oder eine ähnliche Situation: Du verwendest CBD Öl und möchtest wissen, ob du unbesorgt ein Bier oder ein Glas Wein trinken kannst.

Für dich ist dabei vielleicht interessant, ob zwischen der Aufnahme des Alkohols und Nutzung des CBD Öls ein zeitlicher Abstand liegen sollte.

Mit welchen möglichen Wirkungen kannst du rechnen, wenn du CBD und alkoholische Getränke fast gleichzeitig konsumierst?

Wirkung von Alkohol und Nutzhanf

Einige Untersuchungen legen nahe, dass

  • du beispielsweise einen verstärkten Verlust der Kontrolle erleben kannst,
  • eine intensivere Enthemmung auftritt,
  • deine motorischen Fähigkeiten bei der Koordination von Bewegungen und zielgerichteten Handlungen stärker beeinflusst werden,

wenn du beide Substanzen miteinander kombinierst.

Dabei spielt es keine Rolle, ob du CBD in Form von CBD Öl oder als Kapseln verwendet hast. Auch auf die Art alkoholischer Getränke, die du konsumiert ist, kommt es nicht an. Der Alkoholgehalt des entsprechenden Getränks kann dagegen eine Rolle spielen, wenn es um die Intensität der Ausfallserscheinungen insgesamt geht.

Es ist nicht geklärt, in welchem zeitlichen Zusammenhang eine mögliche Effektverstärkung durch die Kombination von CBD mit alkoholischen Getränken auftritt.

Bisher wird vermutet, dass ein Abstand von 4-8 Stunden zwischen dem alkoholischen Getränk und der Aufnahme von CBD die typischen Alkoholeffekte verstärken könnte.

Weiterhin steht im Raum, wie sich Kombinationen alkoholischer Getränke und Cannabidiol auf die Psyche auswirken.

CBD und Alkohol: Worauf kommt es an?

Offensichtlich kommt es wie auch beim Solo-Alkoholkonsum insgesamt auf deine Grundstimmung und deine aktuelle seelische Befindlichkeit an.

Das bedeutet: Bist du bei Aufnahme beider Substanzen bereits in depressiver Stimmung, kann sich auch das verstärken, wenn du Alkohol und CBD gleichzeitig aufnimmst.

Gehe besser davon aus, dass du keine Maschine mehr bedienen und kein Auto mehr fahren kannst, wenn du gleichzeitig alkoholische Getränke und Cannabinoid konsumierst.

Solche und ähnliche Tätigkeiten solltest du vermeiden, wenn beide Substanzen gleichzeitig aufgenommen werden. Du könntest sonst dich und andere gefährden.

Diese Rücksichtnahme wird vermutlich für dich selbstverständlich sein, da auch Alkoholkonsum allein bereits zu Einschränkungen in diesem Bereich führt.

CBD ist keine Lösung für Alkoholprobleme

Wenn du bereits einen erhöhten Alkoholkonsum hast und regelmäßig Alkohol trinkst, kannst du mit dem Cannabinoid keine Besserung erreichen.

Da Alkoholsucht eine körperliche Abhängigkeit ist, gehört ein solches Problem ausschließlich in fachkundige Hände. Suche dir in diesem Fall ärztliche Hilfe.

Die möglichen schützenden Effekte von CBD auf die Leber sollten dich auch nicht dazu verleiten, übermäßig viele alkoholische Getränke regelmäßig zu dir zu nehmen und dich dabei sicher vor schädlichen Auswirkungen zu fühlen.

Auch kann eine mögliche suchterzeugende Gewöhnung nicht ausgeschlossen werden. CBD Öl könnte dir nach bisherigem Kenntnisstand vielleicht bei einigen Beschwerden helfen.

CBD Alkohol

Es ist aber nicht dafür geeignet, eine Alkoholsucht harmloser und weniger gefährlich zu machen.

Es bleibt ein Risiko für Wechselwirkungen

Der gleichzeitige Konsum von CBD und Alkohol bleibt eine zwiespältige Angelegenheit. Die möglichen Wechselwirkungen sind noch nicht abschließend erforscht.

Es liegt an dir, ob du in Kauf nehmen möchtest, dass sich die Alkoholeffekte durch Cannabidiol möglicherweise verstärken.

Hinweis und Haftungsausschluss: Auf den Internet-Seiten von hempamed.de wird über rezeptpflichtiges Cannabis, rezeptpflichtiges CBD oder freiverkäufliches bzw. legales CBD berichtet. Heil- und Nutzversprechen werden ausgeschlossen. Die Texte machen keinerlei Vorschlag zur möglichen Zweckbestimmung und dienen lediglich der Aufklärung, Weiterbildung und Informationsweitergabe. Sie dienen nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose, Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten. Die hier bereitgestellten Informationen ersetzen in keinster Weise die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Außerdem erheben die Texte weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden empfehlen wir, den Arzt deines Vertrauens zu konsultieren.

Martin Auerswald

https://schnelleinfachgesund.de/

Martin Auerswald ist studierter Biochemiker und molekularer Biotechnologe (M. Sc., Technische Universität München). Er ist spezialisiert auf die Themen: Angewandte Biochemie, Mikronährstoffe, Autoimmunerkrankungen und Darmgesundheit. In der klinischen Forschung am Universitätsklinikum Erlangen beschäftigt er sich mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Er schreibt unter anderem für Primal-State und Solidmind und ist Chefredakteur auf dem Autoimmunportal (autoimmunportal.de). Martins Mission ist es, die Welt ein wenig gesünder zu machen. Er unterstützt Hempamed dabei, schwere biologische oder medizinische Themen einfach und verständlich zu erklären und Menschen dadurch die Möglichkeit zu geben, wieder mehr Gesundheit und Lebensfreude zu erlangen.

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